Üblicherweise denkt man bei Videospielen an Unterhaltung. Aber schon bald könnten sie eine viel bedeutendere Funktion erfüllen. Sogenannte „Serious Games“, also ernsthafte Spiele, könnten schwer erkrankte Menschen über ihre Krankheit aufklären und es ihnen erleichtern, gesund zu bleiben.
Es ist dreidimensional und bunt und sehr anschaulich: Am 3D-Modell eines Schädels kann der moderne Schüler auf einem riesigen Bildschirm genau betrachten, wie der Gehörgang aufgebaut ist und das Gehör funktioniert.
Cyber-Classroom nennt sich das, die Firma Visenso stellte ihn am Dienstag auf der Bildungsmesse Learntec in Karlsruhe vor. Rund 15 500 Euro kostet das digitale Klassenzimmer, es kann auch von Tablets oder Spielkonsolen angesteuert werden. «Wir haben das mit Didaktikern zusammen entwickelt», sagt Visenso-Mitarbeiter Emanuel Kilger. «Technik im Klassenzimmer ist ein enormer Motivationsfaktor.»
Aber man kann es drehen und wenden wie man will: Genau daran hapert es an den Schulen. Nach wie vor haben die wenigsten eine elektronische Tafel. Computer oder Tablets während des Unterrichts sind die Ausnahme, Handys bleiben zumeist verboten. «Das höchste der Gefühle ist nach wie vor ein Overhead-Projektor», formuliert es ein wenig überspitzt Hagen Heinrich vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ).
Heidelberg – Sie alle sitzen vor dem Bildschirm: das Kind, das gerade Zähne putzen lernt, der Übergewichtige, dem mehr Bewegung verordnet wurde, das Unfallopfer, das seine Feinmotorik wiedererlangen möchte. Und sie alle sitzen dort auf Anordnung eines Arztes oder Therapeuten. Laut Experten nehmen Computerspiele bei der Versorgung von Patienten und älteren Menschen sowie bei der Wissensvermittlung eine immer wichtigere Rolle ein.
Sogenannte Serious Games (Englisch für ernsthafte Spiele) sind Computerspiele, deren Fokus nicht auf Unterhaltung und Spaß liegt, sondern auf ernsten Zwecken. Sie werden einerseits zur Wissensvermittlung, andererseits aber auch für Therapien und Trainings eingesetzt. Dem Kind wird beispielsweise am Bildschirm gezeigt, wie es die Zähne richtig putzt. Erwachsene mit Bewegungsmangel laufen durch virtuelle Umgebungen, Feld und Wald, und sammeln Dinge ein. In einem virtuellen Supermarkt legt ein Unfallopfer Äpfel in einen Einkaufskorb und erlernt so wieder Kompetenzen in der Feinmotorik. „Die Computerspiele sind leicht und minimalistisch aufgebaut. Es wird immer das Erreichen einer bestimmten Leistung angestrebt“, erklärt Daniel Görlich, Informatikprofessor an der privaten SRH Hochschule Heidelberg. „Kamerabasierte Systeme nehmen bei Sport, Tanz und Bewegung Bilder auf, analysieren sie und errechnen die Körpermaße des Patienten.“ Mit Hilfe dieser Daten könne die Software auf den Patienten reagieren.
SpielFieber ist fertig – Mit diesem interaktiven Browsergame hat die Aktion Jugendschutz Bayern e.V. neue Wege in der Prävention beschritten. Der Balanceakt dieses Vorhabens bestand darin, den Spielspaß zu gewährleisten und gleichzeitig Jugendliche für die Gefahren von Glücksspielen zu sensibilisieren. In diesem Spannungsfeld haben sich Pädagogen mit Spieleentwicklern zusammengesetzt. Über den Prozess/ die Entwicklung berichtete Daniel Ensslen (Referent für Prävention gegen Glückspielsucht) bereits in der Fachzeitschrift der Aktion Jugendschutz Landesarbeitsstelle Bayern e.V.
Ludwig ist ein Physik-Abenteuer über erneuerbare Energien für Spieler ab 10 Jahre. Das Serious Game basiert auf dem Lehrplan und wurde zusammen mit Lehrern und Fachdidakten entwickelt. Doch kommt es nicht wie ein ödes Lernspiel daher sondern begeistert als modernes Videospiel, das für Aufregung sorgt. In der graphischen und spielerischen Umsetzung richtet sich das serious game „Ludwig“ nach internationalen Top-Titeln. Dadurch gewinnt es auch das Interesse Jugendlicher. Es bietet ein Spielerlebnis, das Kinder auch ernst nehmen können.
Das Spiel „Ludwig“ soll nicht den Physikunterricht oder das Lehrbuch ersetzen – schon gar nicht den Lehrer oder die Lehrerin. Es ist eine Art Aperitif, dass Kinder neugierig auf die Wissenschaft macht.
Kostenloses Ferienangebot: Game Design Workshop ”Mobile Gaming” vom1. bis 4. November im Medienkulturzentrum Dresden
Als besonderes Ferien Highlight bietet das Medienkulturzentrum Dresden vom 1. bis 4. November jeweils von 10-‐16 Uhr einen kostenlosen Game Design Workshop zum Thema „Mobile Gaming“ an. Dieser ist Teil des vom Medienkulturzentrum geleiteten sozialen Spiele Design Projekts „AMD Changing the Game“, das Kinder und Jugendliche zusammenbringt, um gemeinsam an der Entwicklung so genannter „Serious Games“ zu arbeiten.
Auf den GameDays 2012 diskutieren Fachleute zum Thema „Einsatz von Serious Games für die Prävention und Rehabilitation“ und sind sich einig: Serious Games können auf vielen Ebenen Nutzen stiften.
„Gerade für Kinder und Jugendliche müssen wir nützliches Wissen verstärkt über digitale Spiele vermitteln“, sagt Sebastian Becker, Facharzt für Kinder und Jugendmedizin und Oberarzt der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret. Becker therapiert immer häufiger Kinder, die an Continue reading »
Die Macht der Disziplin – Wie wir unseren Willen trainieren können
Ein Buch von Roy Baumeister und John Tierny (2012, Campus Verlag), das unter Anderem das Thema Spielen thematisiert – vor allem in Bezug auf Kinder. Folgendes schreiben die beiden Autoren zu diesem Thema:
„(…) Ältere Kinder erzielen ähnliche Erfolge mit einem anderen Instrument, das heute viele Eltern und Kritiker auf die Barrikaden bringt: Videospiele. Zugegeben, ein großer Teil davon sind sinnlose Ballerspiele, und viele Kinder verbringen viel zu viel Zeit damit, digitale Monster abzuschießen. Aber die verbreitete Kritik an diesen Spielen ist ungefähr genauso fundiert wie die früheren Warnungen vor den Gefahren der Comics. Nachdem Continue reading »
“Wir können aus jedem Spiel ein Serious Game machen, wenn wir wissen, wie die Wirkung ist”, sagt Linda Breitlauch, Professorin für Gamedesign. Oft und gerne werde untersucht, welche negativen Wirkungen Spiele haben könnten, klagt die Wissenschaftlerin von der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf. Aber zu selten würden positive Aspekte erforscht.
Umweltschutz ist gerade ein großes Thema, außerdem gibt es Lernspiele zur gesunden Ernährung, zur Vermeidung von Hunger- und Naturkatastrophen, Mathematikaufgaben werden als schickes PC-Spiel verpackt. Aber: “Serious Games haben ein massives Akzeptanzproblem bei Jugendlichen”, sagt Jörg Hofstätter von der Wiener Agentur Ovos, die auch Lernspiele entwickelt. Immer wieder stehen Programmierer und Designer vor der Frage: Wie bringe ich eine interessante Geschichte mit didaktischen Inhalten Continue reading »
Auckland, 02.08.2012. Ein Computerspiel um Depressionen zu behandeln? Was zunächst kurios klingt, scheint zu funktionieren. Die Macher des PC-Games “Sparx” aus Neuseeland sind von dem Ansatz überzeugt – und eine aktuelle Studie gibt ihnen Recht.