Didaktik

Wie Serious Games “ticken”


Bei Serious Games wird der didaktische Aspekt für den Spieler nicht in den Vordergrund gerückt – stattdessen begleitet der Lernprozess das unterhaltsame Spielerlebnis eher unterschwellig. Das Spiel greift beispielsweise lebensnahe Situationen aus dem Alltag auf, in denen es Konflikte oder Fragestellungen zu lösen gilt, die sich unmittelbar aus einer fiktiven Handlung ergeben. Oder es ermöglicht dem Anwender, sich mit komplexen Vorgängen und Verfahren etwa aus der Berufswelt vertraut zu machen. So lernt er, Zusammenhänge und Prozesse unmittelbarer zu verstehen, indem er sie nicht nur passiv aufnimmt, sondern im Spiel selbst aktiv mit ihnen arbeitet.

Anders als traditionelle E-Learning-Ansätze beziehen Serious Games didaktische Erkenntnisse aus der Entwicklung von Computerspielen in die Methodik mit ein, um Lerninhalte unterhaltsam, effizient und anwenderfreundlich zu vermitteln. Der „Spieltrieb“ des Menschen und sein Verlangen, sich mit anderen im Wettbewerb zu messen, werden dabei bewusst genutzt, um den Lernenden intrinsisch zu motivieren und nachhaltig für den Lernstoff zu begeistern.

Global Conflicts: Palestine: Serious Game, das den Spieler mit den Hintergründen des Nahostkonflikts vertraut macht.

Global Conflicts: Palestine: Serious Game, das den Spieler mit den Hintergründen des Nahostkonflikts vertraut macht.

Herausforderungen mit einem wohldosierten Schwierigkeitsgrad gewährleisten, dass sich der Lernende weder unter- noch überfordert fühlt und so dank regelmäßiger Erfolgserlebnisse das Verlangen verspürt, die Lernumgebung immer weiter zu erkunden. Indem er sich Wissen spielerisch aneignet und dieses aktiv beim Lösen von Aufgaben einsetzt, taucht der Anwender unversehens immer tiefer in die Spielewelt ein und erlebt das, was die Lernpsychologie als „Flow“ beschreibt.

Serious Games beziehen alle Sinne in den Lernprozess mit ein und schaffen für den Anwender eine angenehme Lernatmosphäre, in der er sich wohlfühlt. Er kann nach Herzenslust ausprobieren und mit verschiedenen Lösungsansätzen herumexperimentieren. In der Spielewelt gibt es viel zu erforschen und man darf auch mal ungestraft Fehler machen. Das motiviert und regt die Neugier an. Auf diese Weise werden Zusammenhänge leichter verstanden und das erworbene Wissen lässt sich anhand der Aufgabenstellungen des Spiels sofort praktisch anwenden und einüben.

Wichtige Begriffe


Flow-Erlebnis:

Flow (engl. fließen, rinnen, strömen) umschreibt das Gefühl des völligen Aufgehens in einer Tätigkeit. Wie man den Flow erreicht und erlebt, ist individuell. Trotzdem gibt es Faktoren, die den Flow begünstigen – wie eine spannende, in sich konsistente Spielewelt und eine intuitive Benutzerführung, die den Spieler nicht von den Inhalten ablenkt. Flow ist also eine Form von Glücksgefühl, auf das man schon beim Spieldesign durchaus Einfluss nehmen kann.

Immersion:

Wenn der Lernende völlig in die virtuelle Realität des Spiels eintaucht, bezeichnet man diesen Zustand als Immersion. Angesichts des packenden Spielerlebnisses tritt die Wahrnehmung der eigenen Person und des Lernprozesses in den Hintergrund. Der Anwender lernt, indem er sich ganz auf die Spielewelt einlässt.

Virtuelle Realität:

Virtuelle Realität (VR) bildet in Echtzeit eine interaktive Umgebung ab, die mit all ihren physikalischen Gegebenheiten computergeneriert ist. Der Spieler, der in die virtuelle Welt eintaucht, kann mit dieser interagieren, Elemente manipulieren und verändern. Dies bewirkt, dass die Immersion, die sich in einer virtuellen Welt erzielen lässt, wesentlich intensiver ist als beispielsweise in einem Film, den der Betrachter nur passiv erlebt.

Incentivierung:

Incentives sind Anreize, die zu besonderen Leistungen motivieren sollen: Der Anwender wird belohnt, um Ehrgeiz und Einsatzbereitschaft weiter anzufachen – im Spiel etwa durch das Freischalten besonderer Extras, die den eigenen Aktionsradius erweitern oder den eigenen Erfolg nach außen hin für alle sichtbar machen. Das Prinzip findet vielfach auch im Game-based Learning und in Serious Games Anwendung.

Incentives motivieren im Wettbewerb, indem sie den Spieler dazu animieren, besser als die anderen sein zu wollen. Er wird angestachelt, die gestellten Aufgaben möglichst gut zu lösen, um am Ende die Belohnung zu erhalten. Dabei kann es sich um begehrte Ausrüstung für den eigenen Avatar, nützliche Fertigkeitspunkte, Minispiele oder sonstige Boni handeln.

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