Super Mario verbessert das Gehirn

Das Spielen von Videospielen ist eine sehr beliebte Aktivität und erfüllt eine Vielzahl von kognitiven und motorischen Ansprüchen, wie das Zurechtfinden in neuen Umgebungen. Deswegen könnte das Spielen von bestimmten Videospielen als intensives Training für verschiedene Fähigkeiten genutzt werden. Die Protagonisten des Plattformers Super Mario 64 können in ihrer virtuellen Heimat, dem Mushroom Kingdom, ihre Größe verdoppeln oder für kurze Zeit unbesiegbar werden. Leider ist dies im realen Leben noch nicht möglich, aber eine Studie des Berliner Max-Planck-Instituts hat ergeben, dass das Spielen von Super Mario 64 die Struktur des Gehirns von Spielern verändern kann, mit positiven Auswirkungen.

Für den Test wurden 48 Versuchspersonen ausgewählt, die vorher für sechs Monate keine Videospiele gespielt hatten und noch nie in Kontakt mit Super Mario 64 gekommen waren. 23 Probanden mussten für zwei Monate mindestens 30 Minuten Super Mario 64 am Tag spielen und 25 Teilnehmer wurden gebeten für den Versuchszeitraum keine Videospiele zu spielen.

(Bild-Quelle: www.ign.com)

Super Mario 64 ist ein 3D Plattformer, bei dem man in die Rolle des Klempners Mario schlüpft. Mario muss eine Prinzessin retten, die am Anfang des Spiels von dem Antagonisten Browser verschleppt wird. Gespielt wurde das Spiel von den Probanden auf einem Nintendo DS: eine tragbare Spielekonsole mit zwei Displays.

Im oberen Display sieht man den Helden in der Spielwelt aus der 3. Person, muss von Plattform zu Plattform springen, Münzen einsammeln und Gegnern ausweichen. Das untere Display zeigt die Welt aus der Vogelperspektive und nur das Wissen, wie man in der virtuellen Welt navigiert, führt den Spieler zum erfolgreichen Abschluss der Level und Rettung der Prinzessin.

Vor und nach dem Spielen wurde das komplette Gehirn der Probanden gescannt. Dabei trat in drei Gehirnregionen eine Vergrößerung des Gehirnvolumens auf:

  • im rechten Hippokampus, ein Bereich, der für das Erlernen der Navigation zuständig ist
  • im Kleinhirn (Cerebellum), zuständig für motorische Fähigkeiten
  • im rechten präfrontalen Kortex, wo viele kognitive Prozesse erlernt und ausgebildet werden

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass 30 Minuten Super Mario 64 am Tag die Gehirnstruktur der Probanden positiv verändert hat. Die drei Gehirnregionen, die sich verändert haben, passen außerdem zu den Fähigkeitsgebieten, die beim Spielen erlernt und benötigt wurden: räumliche Navigation, strategisches Planen, kognitive Fähigkeiten und Motorik. Ein Rückgang von Gehirnvolumen im rechten Hippokampus und präfrontalen Kortex wurde zum Beispiel bei Geisteskrankheiten, wie posttraumatischem Stress, Depression und Schizophrenie, beobachtet. Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass Videospiele den Risiken zur Erkrankung an neurodegenerativen Krankheiten entgegenwirken könnten und bei der Steigerung kognitiver sowie motorischer Fähigkeiten hilfreich sind. Eine interessante Frage ist, ob Videospiele gezielt genutzt werden könnten um den fortschreitenden Nervenzellenabbau bei Krankheiten wie Demenz zu verlangsamen. Einer Studie die sich mit diesem Thema genauer auseinandersetzt sehen wir jedenfalls neugierig entgegen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.


  • © 2016 Seriousgames.de · © 2016 TÜV Rheinland Akademie GmbH
Top