Recruitainment: Zocken für den Wunschberuf

Die Gaming-Kultur erobert die Personalabteilungen:
Mit spielerischen Tests im Internet suchen Unternehmen nach geeigneten Kandidaten. “Recruitainment” wird bei der Personalauswahl zum Standard.

Um viertel vor fünf klingelt der Wecker. Der angehende Postbote steht auf, duscht, putzt seine Zähne und zieht sich an. Er gönnt sich ein kleines Frühstück, nimmt seine Tasche und schaut auf die Uhr: gerade noch pünktlich. Es ist Donnerstag, der vierte Tag seiner Ausbildung und der erste draußen auf der Straße. Briefträgerkluft an, Tasche aufs Fahrrad, ab die Post.

Das alles macht der angehende Postbote durch Klicks auf den Bildschirm. Denn er ist ein in Flash programmierter Avatar, das Spiel ist sein Tagesablauf und das Ziel für den Spieler eine Anstellung beim privaten französischen Postdienstleister Formaposte im Großraum Paris. Wer sich dort bewerben will, muss neuerdings zuerst in der virtuellen Welt beweisen, dass er früh aufstehen, in der Schule aufpassen und Briefe in die richtigen Briefkästen werfen kann.

Christian Püttjer von der Karriereakademie Püttjer & Schnierda spricht von “E-cruitment”, elektronischer Personalbeschaffung. “Die Unternehmen stellen sich spielerisch vor. Sie führen den Bewerbern vor Augen, um welche Aufgaben es geht und fragen: Habt ihr Lust dazu?“

Auf virtuellem Rundgang durchs Unternehmen

Immer mehr Unternehmen nutzen die interaktiven Möglichkeiten des Internets, um interessierten Bewerbern das eigene Haus vorab vorzustellen. So zeigt Tchibo im virtuellen Rundgang unter anderem den Weg der Kaffeebohne vom Feld im Ursprungland bis zur Lagerhalle in Deutschland. Der Lebensmittelkonzern Unilever gewährt Einblick in die Produktion seiner Eismarke Ben & Jerry’s. Unter dem Motto “Probier-dich-aus” lässt die Commerzbank den User einen Tag als Berater durchspielen: den Kunden begrüßen, persönliche Ebene schaffen, Anliegen erfragen, Angebote auswählen, Kreditformular durchgehen.

“E-cruitment dient mehr dem Marketing der Unternehmen als der eigentlichen Auswahl der Kandidaten”, sagt Püttjer. Doch die Methode liefert auch ganz handfeste Erfolge. Formaposte etwa konnte die Abbruchquote der jungen Azubis nach eigenen Angaben von 25 auf acht Prozent drücken. Und das, weil die typische Briefträgerwoche im Vorhinein realistisch dargestellt wird.

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(Quelle: Wirtschaftswoche Online, www.wiwo.de)

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