Jan 25

Food Force

Immer dann, wenn Kinder fett, Schüler faul und Jugendliche gewalttätig werden, sind es unvermeidlich die Neuen Medien, die herhalten müssen als Quelle des Übels. Doch die Vorstellung vom passiven Konsum, von der zeitfressenden Maschine und dem dumpfen Daddeln am Joystick ist eine Vorstellung, die dem, was sich in den Neuen Medien entwickelt hat, nicht gerecht wird.

Ein Trend in den Neuen Medien sind “Serious Games” – Spiele, in denen aus Ernst Spiel und aus Spiel Ernst wird. Viele “Serious Games” entwickeln eine Mission, die reale soziale, ökologische oder politische Hintergründe hat. Die Entwickler packen ihre Botschaften von der Terrorismusbekämpfung bis zur Planetenrettung in Abenteuerreisen. Hier werden Schwerter zu Hilfspaketen.

Computerspiele für Lebensretter

Die Nahrungsmittel müssen in ein entlegenes Krisengebiet geschafft werden. Die Zeit drängt. Ein Hubschrauber steht bereit. Doch erst einmal müssen die Hungernden in der weiten Steppe der fiktiven Insel Sheylan ausfindig gemacht werden. “Food Force” ist der Klassiker des Genres. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen entwickelte dieses Computerspiel, um Kindern beizubringen, warum es immer wieder Hungersnöte auf der Erde gibt. Eingebunden in eine Abenteuerhandlung lernen die Spieler, wie humanitäre Hilfe organisiert und umgesetzt wird.

Auch “Last Exit – Flucht”, entwickelt im Auftrag des Flüchtlingskommissariats, will Jugendliche am Computer für die reale Not Anderer sensibilisieren. Das Szenario, das die Spieler in die Situation von Flüchtlingen versetzt, geht unter die Haut. Zunächst müssen sie sich einem Polizeiverhör stellen. Jede regimekritische Antwort wird mit Schlägen bestraft. Die Flucht ist der einzige, aber beschwerliche Ausweg. Nicht viel leichter erweist sich der Neuanfang im fremden Land.

Gesellschaftskritik am Joystick

Prof. Dr. Linda Breitlauch von der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf ist überzeugt: “Spiele können enorm gesellschaftskritisch sein. Sie entführen in eine Welt der Fiktion und zeigen dem Spieler, wie Gesellschaften in der wirklichen Welt funktionieren oder auch nicht.” Arne Busse von der Bundeszentrale für politische Bildung hat an der Entwicklung des Spiels “Genius” mitgearbeitet. In diesem Strategiespiel können Kinder eine politische Karriere machen – vom Bürgermeister bis zum Kanzler.

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